Faktencheck

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Ihre Fakten – meine Recherche

Ein kleiner Fehler kann Leser*innen irritieren oder die mühsam aufgebaute Spannung in einen unfreiwilligen Witz verwandeln. Ich unterstütze Sie dabei, Stolperfallen zu finden, damit Ihr Setting auf ganzer Linie überzeugt.

Finden Sie die Fehler in den folgenden Beispielen?

Das Lagerfeuer

Lukas schlich durch das dichte Unterholz an der senegalesischen Küste. Die Zweige ratschten ihm die nackten Unterarme. Nur noch ein paar Meter, dann würde er das Zeltlager der Pfadfinder erreichen. Niemand würde ihn hören. Er grinste. Sie würden sich noch furchtbar wundern. Was war das? Ein Rascheln. Ein Schatten. Lukas erstarrte mitten in der Bewegung. Kaum zwei Meter entfernt, hob sich ein schmaler, dunkler Körper. Eine schwarze Mamba. Die gefährlichste Giftschlange der Welt. Lukas wurde eiskalt.

In diesem kurzen Auszug stecken gleich zwei gravierende Stolperfallen, die die Glaubwürdigkeit der Szene gefährden:

  • Die Geographie (Verbreitungsgebiet): Lukas befindet sich an der senegalesischen Küste (Westafrika). Die Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis) ist jedoch im Osten und Süden Afrikas heimisch. Im Senegal würde Lukas eher auf eine Westliche Grüne Mamba oder eine Kobra treffen – hoppla.
  • Der Superlativ (Giftigkeit vs. Gefahr): Lukas bezeichnet sie als die „gefährlichste Giftschlange der Welt“. Das ist eine weit verbreitete Fehlannahme.
    • Die giftigste Schlange (rein nach dem Toxinwert) ist der australische Inlandtaipan.
    • Die gefährlichste Schlange (gemessen an den Todesfällen pro Jahr) ist oft die Puffotter oder die Sandrasselotter, weil diese sich besser tarnen und häufiger mit Menschen in Kontakt kommen.
  • Die Perspektive: Lukas wird "eiskalt" vor Angst. Das ist emotional stimmig, aber seine fachliche Einordnung als "gefährlichste Schlange der Welt" ist ein klassischer Fall von "Autorenwissen", das der Figur in den Mund gelegt wurde. Ein Jugendlicher würde in dieser Panik kaum Statistiken über Giftigkeitsgrade im Kopf abrufen.

Glück im Klostergarten

Bruder Johannes wischte sich mit dem groben Ärmel seiner Kutte den Schweiß von der Stirn. Seit der Gründung des Klosters in Hude im Jahre des Herrn 1326 mühte er sich um die Verpflegung der Zisterzienserbrüder. Er blickte mit Stolz auf den kleinen Küchengarten. Inmitten der Kräuterbeete leuchteten ihm pralle, rote und verheißungsvolle Früchte entgegen. Johannes pflückte vorsichtig eine, spürte die Wärme der Sonne auf der glatten Haut der Tomate und biss hinein. Der süße Saft war die Belohnung für seine monatelange Mühsal.

  • Der Anachronismus (Tomate): Die größte Fehlerquelle. Die Tomate stammt aus Südamerika und kam erst nach Kolumbus' Reisen (Ende des 15. Jahrhunderts) nach Europa. Im Jahr 1326 war sie in einem niedersächsischen Klostergarten schlicht unmöglich.
  • Das Fachwissen (Kutte): Auch wenn man umgangssprachlich oft von der "Kutte" spricht, trägt ein Zisterzienser fachlich korrekt einen Habit (bestehend aus Tunika, Skapulier und Gürtel).
  • Die historische Genauigkeit (Datum): Das Kloster Hude wurde tatsächlich bereits 1232 gegründet. Ein Fehler von fast 100 Jahren wirkt sich auf die gesamte politische und architektonische Einordnung des Settings aus.
  • Die Wahrnehmung (Botanik): Selbst wenn es die Frucht gegeben hätte: Als Nachtschattengewächs resp. aufgrund ihrer Erscheinung wurden Tomaten lange Zeit als giftig oder gar als "Teufelszeug" angesehen. Ein gottesfürchtiger Mönch hätte kaum genussvoll in die rote Frucht gebissen.

Die zweite Königin

Als erfahrene Imkerin wusste Irmgard, dass es Zeit war, den Honig zu ernten. Der Himmel war leicht bewölkt, die Hitze der letzten Tage war vorüber. Langsam öffnete sie den Deckel ihrer Golzbeute und zog eine Wabe, um nach den Stiften zu sehen. Der ganz eigene Geruch des Volkes stieg ihr in die Nase. Irmgard blinzelte. Das konnte nicht sein. Inmitten des Gewimmels aus Arbeiterinnen entdeckte sie nicht nur eine, sondern zwei Königinnen, die friedlich ihre Eier legten. Irmgard sah sich um. Hier stimmte etwas nicht. Das war doch reinstes Hollywood im Bienenstock. Unbehagen beschlich sie, und schnell schob sie die unheimliche Wabe zurück.

Zwei Königinnen kann nicht sein? Dann geht es Ihnen wie den meisten – doch diese Szene ist faktisch korrekt.

  • Der Irrtum: Das Allgemeinwissen besagt: „Es kann nur eine geben.“ Viele Leser*innen (und offensichtlich sogar manche Romanfiguren) halten zwei Königinnen in einem Volk für einen Fehler oder ein Zeichen für Chaos.
  • Die Realität: In der Imkerei nennt man dieses Phänomen „Stille Umweiselung. Wenn eine Königin alt wird oder kleine Mängel aufweist, ziehen die Arbeiterinnen eine Nachfolgerin heran. Dabei kommt es oft vor, dass Mutter und Tochter friedlich nebeneinander auf derselben Wabe Eier legen.

Faktenlage

Ein Manuskript muss in sich stimmig sein – auch in den Details, die man erst auf den zweiten Blick sieht. Ich prüfe, ob die Giftwirkung plausibel ist, der historische Kontext stimmt oder ob Ihre Walther PPK mit Schalldämpfer wirklich nur ein leises „Plopp“ macht. Wir schärfen die Details, damit Ihre Leser*innen sich ganz auf die Geschichte einlassen können.

Bereit?

Dann lassen Sie uns die Tomaten im 12. Jahrhundert aus dem Klostergarten verbannen.